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Wir sprechen nicht die gleiche Sprache - Frauensprache und Männersprache

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Frauensprache - Männersprache: es gibt sogar schon Wörterbücher, welche eine Übersetzungshilfe für die jeweilige andere Seite anbieten. Aber braucht es wirklich eine Übersetzung, um den anderen zu verstehen?

 

Ein häufig gebrauchtes Klischee ist jenes Bild, dass Frauen immerzu reden und Männer die großen Schweiger und allerhöchstens Knurrer sind. Mag sein, dass dies im privaten Bereicht nach einigen/etlichen Jahren des Zusammenlebens so ist, aber warum dies so ist, was die Grundlagen für redendes, bzw. schweigendes Verhalten sind, wird in "Wörterbüchern Mann - Frau, Frau - Mann", oder in Arztpraxen ausliegenden LebenshilfeMagazinen in der Regel nicht erklärt.

4 (mögliche) Gründe, warum Frauen und Männer unterschiedlich kommunizieren

Evolution

Die einfachste, simpelste und (eindeutig nicht mehr zu widerlegende) pragmatischste Theorie, warum Frauensprache und Männersprache inhaltlich oftmals so unterschiedlich ist, ist die Erklärung, dass die Evolution des Menschen und die darin verankerten Rollenbilder dafür verantwortlich ist.

 

Damals, bei den Steinzeitmenschen, waren die Rollenbilder klar verteilt: 

 

Männer gingen mit ihresgleichen auf die Jagd, um wilde Tiere zu jagen und zu erlegen. Natürlich mussten die Männer untereinander reden, damit jedem klar war, wer was zu tun hatte. Das Äußern von Gefühlen wird aber sehr wahrscheinlich nicht dazu gehört haben. Man(n) stelle sich vor, dass ein Steinzeitjäger zu seinen Jagdkameraden Folgendes sagte:

"Also, Männer, ich fühl mich heute nicht ganz so fit, vielleicht verschieben wir das Ganze auf Morgen. Außerdem habe ich ein schlechtes Gefühl dabei, ein wirklich schlechtes Gefühl."

 

Es ging um das Erreichen eines Zieles, welches mit wenigen Worten und Gesten vereinbar war. Ganz abgesehen, dass man mit einem sechs Meter großen Säbelzahntiger schlecht argumentieren konnte. 

 

Männersprache war hierbei eine Funktionssprache, welche ohne Gefühle auskommen konnte (und musste) und zweckgerichtet war.

 

Frauen waren zu "Hause" und versorgten in der (Frauen)Gruppe die Familie. Hier diente die Sprache der Kommunikation, der Vermittlung von Fähigkeiten und Gefühlen, auch an die Nachkommen.

 

Frauensprache war somit auf die Zukunft ausgerichtet. Sie diente dem Erhalt der Art und gleichzeitig der Weiterentwicklungsfähigkeit der nächsten Generation.

 

Wenn man das eingangs zugrunde gelegte Beispiel mit der Autofahrt und der Kaffeepause auf die Steinzeit umlegt: die Frau sorgt sich um die Fahrfähigkeit des Mannes nach einer längeren Strecke auf der Autobahn und denkt sich, dass eine Pause und ein Kaffee beiden gut tun würde.

Für den Mann steht die Jagd auf den Kaffee gerade nicht auf dem Plan und somit verschwendet er keinen Gedanken daran.

Entwicklungspsychologie

In der Entwicklungspsychologie wird auch immer mit wenigstens einem halben Auge auf die Evolution des Menschen geschaut, allerdings untersucht diese Wissenschaftsrichtung den Menschen aus der Sicht der heutigen, wissenschaftlichen Sicht unter zu Hilfenahme modernster Methoden.

 

1) bei der Untersuchung der Gehirnaktivitäten von Frauen und Männern in Ruhe wurde festgestellt, dass bei Männern besonders jene Regionen aktiv sind, welche zum älteren Teil des Gehirns zählen. Allerdings verfügen diese älteren Teile des Gehirns über keine, oder nahezu keine Anbindung an das Sprachenzentrum (der pure Überlebensaktivator im Gehirn brauchte keine Verbalisierung, sondern einfach nur die Tat).

 

Bei Frauen sind in Ruhe die jüngeren Regionen des Gehirns aktiv, insbesondere jene Teile, welche zur Verarbeitung und dem Umgang mit Emotionen befähigt sind und die eine Anbindung an das Sprachenzentrum haben.

 

Emotional-gehirnaktivitätsmäßig könnte man also sagen, dass Frauensprache und Männersprache schon deshalb unterschiedlich sein müssen, da in Ruhe (und damit in der Zeit, in der man eher am Besten über sich und die einem umgebende Welt nachdenken kann) bei Frauen und Männern völlig unterschiedliche Gehirnregionen aktiv sind.

 

2)  eine andere Forschergruppe fand heraus, dass sowohl Frauen, als auch Männer sehr starke Emotionen wie Weinen und Lachen problemlos deuten konnten (was auch kein Wunder war/ist), allerdings stellten die Wissenschaftler fest, dass Männer beim Erkennen von subtileren Emotionen wie z.B. Traurigkeit ganz erhebliche Probleme hatten, wohin gehend Frauen Traurigkeit bei Männern ohne Schwierigkeiten erkennen konnten

 

3) das Corpus Callosum verbindet die rechte und die linke Gehirnhälfte beim Menschen. Die linke Gehirnhälfte ist für die Vernunft zuständig, die Rechte für Gefühle. Interessanterweise ist eben jenes Verbindungsstück bei Frauen deutlich stärker ausgeprägt, was (sehr wahrscheinlich) zu einer besseren Ausdrucks- und damit Kommunikationsfähigkeit bei Frauen beiträgt.

 

Die Entwicklungspsychologie liefert somit weitere, mögliche Erklärungsansätze hinsichtlich Frauen- und Männersprache und Sprachfähigkeit und warum Frauen und Männer teilweise so unterschiedlich kommunizieren.

Friedemann Schulz von Thun

Friedemann Schulz von Thun ist ein deutscher Psychologe und Kommunikationswissenschaftler, der sich sehr große Verdienste bei der Erforschung und Entschlüsselung der Sprache und ihrer Vermittlung und Wirkung auf und bei Menschen erworben hat.

 

Schulz von Thun hat erkannt, dass jede von einem Menschen gemachte Äußerung vier Seiten aufweist und gleichzeitig auch vier Ebenen auf Seiten des Zuhörers.

 

Die erste Ebene ist der sog. SACHINHALT ==> "Beim nächsten Rastplatz kann man einen Kaffee kaufen." (Frau und Mann)

Dieser Sachinhalt ist sowohl beim Sprecher, als auch beim Hörer eindeutig.

 

Die zweite Ebene ist der in dem Sachinhalt enthaltene APPELL: ==> "Ich hätte gerne eine Tasse Kaffee und es würde uns beiden gut tun, wenn wir eine Pause einlegen würden, da wir keine Eile haben." (Frau)

"Es gibt bei der nächsten Raststätte Kaffee - alles klar, habe ich verstanden, weil ich Dir zugehört haben!" (Mann).

 

Darüber hinaus besteht die Aussage aus der dritten Ebene, dem sog. BEZIEHUNGSHINWEIS: ==> "Wir können unsere Beziehung pflegen, indem wir jetzt eine ganz gemütliche Pause einlegen und miteinander reden, wozu wir sonst im Alltag nicht immer so Zeit haben." (Frau)

"Wenn Du einen Kaffee trinken möchtest sag es einfach ganz klar und deutlich, ansonsten verstehe ich dich womöglich falsch. Außerdem, was hat Kaffee trinken mit unserer Beziehung zu tun? Wenn es Probleme gibt, dann besprechen wir diese!" (Mann)

 

Die vierte Ebene der Aussage stellt die SELBSTKUNDGABE dar: ==> "Ich möchte gerne einen Partner, dem ich nicht immer alles direkt sagen muss, sondern der mich nach all den Jahren auch so versteht." (Frau)

"Du hast in mir einen Partner auf den Du Dich verlassen kannst, wenn Du ihm direkt sagst, was Du willst." (Mann)

 

Nur eine Ebene (Sachinhalt) ist in der Regel bei Frauen- Männerkommunikation eindeutig (im besten Falle), die drei weiteren Ebenen können sich sehr stark bei der individuellen Interpretation unterscheiden, was das Miteinander-sprechen nicht gerade erleichtert.

unterschiedliche SprachenKulturen

Frauen und Männer wachsen in unterschiedlichen SprachenKulturen auf, insbesondere was die Funktion von Sprache im Alltag und bei der Bewältigung des Lebens betrifft.

 

Frauen pflegen Sprache als Mittel zur sozialen Interaktion innerhalb der Gruppe, wollen Beziehungen durch Sprache aufbauen, pflegen und erhalten.

Bereits bei Kindern konnte beobachtet werden, dass Mädchen Sprache zur Pflege dieser sozialen Kontakte nutzen, wohin gehend bei Jungen Sprache zur Vermittlung von Regeln beim Spielen und bei der Festlegung der Rangfolge eingesetzt wird.

 

Frauen nutzen Sprache eher als Beziehungssprache, oder, wie Marshall Rosenberg es nennt, sie benutzen eine "Giraffensprache", welche es ihnen ermöglicht über Sprache einen größeren Überblick über ihr Leben und ihre persönliche Umgebung zu behalten.

 

Männer hingegen haben eher eine Nutzsprache, welche dazu dient, Informationen weiter zu geben, Ziele zu erreichen, die eigene Stellung innerhalb einer Gemeinschaft (Arbeit) zu definieren und zu erhalten/auszubauen (irgendwie erinnert dieser Teil an die Steinzeit?)

Nach Rosenberg bedienen sich Männer der sog. "Wolfssprache".


"Darin besteht die Liebe: dass sich zwei Einsame beschützen und berühren und miteinander reden."

[Rainer Maria Rilke]


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