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Das Schweigen der Männer - kein Naturgesetz!

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Ein Mann geht in eine Bar und setzt sich an die Theke.

Fragt der Kellner: "Warum denn so traurig?"

Sagt der Mann: "Meine Frau hat gesagt, sie will einen Monat lang nicht mit mir reden!"

Sagt der Kellner: "Das ist doch nicht so schlimm. Diese Zeit geht auch vorbei."

Antwortet der Mann: "Ja, heute!"

 

Das weitverbreitete, private Schweigen der Männer hat zu mancherlei Vorurteilen und Witzen geführt.

 

Dass das männliche Schweigen aber tiefergehende Ursachen und weitreichende Auswirkungen haben kann wird oft nicht thematisiert, bzw. mit Aussprüchen wie: "Der Mann an sich ist halt so!" als scheinbar unabänderliche Tatsache abgetan.

Zahlen, Daten, Fakten

ALEXITHYMIE ist der griechische Ausdruck für die nicht in Worte gefasste Gemütslage eines Menschen (A = ohne     Lexi = Worte     Thymie = Gemütslage; selbstverständlich trifft dies nicht nur auf Männer, sondern auch auf Frauen zu).

 

Dass dieses Gefühle-nicht-in-Worte-fassen-können Auswirkungen auf die Männer, auf ihre Lebensqualität und Lebensquantität hat soll hier an ein paar Zahlen/Daten/Fakten gezeigt werden (die einzelnen Zahlenwerte können je nach gewählter Quellenlage schwanken, können aber als gültige Richtwerte gelten).

 

1) Männer haben gegenüber Frauen eine um durchschnittlich 6 -7 Jahre geringere Lebenserwartung, ohne dass dies physiologisch erklärbar ist

 

2) 8 - 14% der Männer leiden wenigsten einmal in ihrem Leben unter einer schweren Depression ==> der Durchschnittswert in der Gesellschaft liegt bei 6%; allerdings ist die Erkennungsrate bei Männern unterdurchschnittlich, da diese wesentlich seltener zu einem Arzt gehen

 

3) 13 - 19% der Männer erleiden wenigstens einmal in ihrem Leben eine Angstattacke ==> auch hierbei liegt der Durchschnittswert eher geringer; auch in diesem Bereich werden die Symptome von Männern eher ignoriert, bzw. von ihnen nicht ernst genommen

 

4) Untersuchungen gehen heute davon aus, dass Frauen zwar doppelt so viele Suizidversuche unternehmen wie Männer, Männer aber vier Mal so oft einen solchen Versuch final beenden

 

5) Männer reichen nur halb so oft die Scheidung von ihrer Partnerin ein, sind aber nach der Trennung doppelt so häufig von Depressionen deswegen betroffen

Formen männlichen Schweigens

Im BeziehungsCoaching, wenn beide Partner da sind, kommt es oft zu folgender Gesprächssituation: der Mann sagt entweder gar nichts (was relativ selten der Fall ist), oder er trägt den Hauptanteil des Gesprächs.

 

Wenn im Anschluss dann bei weiteren Treffen, wenn die Partner einzeln kommen, darüber geredet wird, äußern Frauen häufig, dass sich ihr Mann ganz typisch verhalten habe: wenn andere dabei seien, dann würde viel gesprochen, als sie wieder zu Hause waren, sei das alte Schema des Schweigens abgelaufen (Männer stellen nach meiner Berufserfahrung diesen Unterschied so gut wie nie von sich aus fest - auch nicht auf Nachfrage).

 

persönliches Schweigen

 

Männer leiden bisweilen unter der speziellen Form des persönlichen Schweigens: sie wissen selbst nicht, was in ihnen vorgeht und mit ihnen los ist.

 

Da ihnen zusätzlich auch noch der emotionale Wortschatz fehlt, um den Versuch des Ausdrückens ihres emotionalen Innenlebens zu unternehmen, steigt der innere Stress.

 

Dies kann sich dann an ganz anderer Stelle für die Umwelt zeigen: mürrisches und ungehaltenes Benehmen, Aggressionen, konsequenten Schweigen, ungehaltenes Verhalten bei Nachfragen nach der persönlichen Befindlichkeit.

 

 

privates Schweigen

 

Hierbei wissen Männer zwar, was mit ihnen los ist, sie können ihre Probleme reflektieren und für sich selbst auch benennen und verbalisieren, wollen aber bewusst und aktiv nicht mit ihrer Familie darüber reden.

 

Zum Problem wird dieses private Schweigen in der Regel dann, wenn es sich um eine standardisierte und für den Mann als erfolgversprechende Methode handelt.

 

Männer empfinden privates Schweigen eher als verantwortungsbewusstes Handeln der Familie und dem persönlichen Umfeld gegenüber, nämlich dann, wenn Probleme alleine und ohne Belastung für den Partner gelöst werden.

 

Kritisch kann dieses Verhalten dann werden, wenn alle persönlich wichtigen Entscheidungen nur noch alleine und ohne Einbeziehung des Anderen getroffen werden.

 

 

öffentliches Zum-Schweigen-Bringen

 

Männer lernen oft schon im Kindesalter, dass das Reden über bestimmte Themen nicht gewünscht wird. Einerseits kann dies durch Auslachen durch andere Kinder geschehen, andererseits dadurch, dass bei bestimmten Themen der Gegenüber einfach schweigt oder plötzlich über etwas ganz anderes spricht.

 

Durch diese Erfahrungen, häufig innerhalb der sog. Peer-Group (eine Gruppe von Menschen mit gemeinsamen Interessen, Alter und Herkunft) gemacht, lernen Jungen sehr viel stärker als Mädchen, was besprechbare, und was zu verschweigende Themen sind, insbesondere in Bezug auf die Äußerung von Gefühlen.

"männliche" Gründe des Schweigens

Ein möglicher, "männlicher" Grund für das Schweigen im privaten Bereich wurde bereits durch das öffentliche Zum-Schweigen-Bringen angeführt.

 

In der Geschlechterforschung gibt es aber noch einige andere Begründungen, warum Männer eher zum Schweigen neigen.

 

1) das Reden und Gefühle zeigen wird von Männern eher als typisch weiblich empfunden ==> beim Versuch sich ab einem gewissen Alter selbst als männlich zu definieren kann eine einfache Definition lauten: Mann sein heißt, nicht Frau sein

 

2) wenn Männer in für sie persönlich und/oder beruflich schweren Zeiten Hilfe suchen wird dies als Schwäche und als Kontrollverlust empfunden ==> Männer empfinden sich selbst oft als Problemlöser, also sollte der Problemlöser seine eigenen Probleme ja wohl selbst lösen können

 

3) Gefühle und Emotionen in Worte fassen und dem Partner gegenüber äußern zu können setzt zum einen die grundlegende Fähigkeit voraus dies auch gelernt zu haben und zum anderen besteht dann auch die Gefahr, dass, wenn Mann erst einmal angefangen hat zu reden, noch etliche andere "Dinge" an die Oberfläche gelangen könnten ==> Reden als potentielle Gefahrenquelle

 

4) Reden in der Partnerschaft birgt die Gefahr der emotionalen Verletzbarkeit ==> wer nicht redet, kann nicht verletzen und hat somit seine Ruhe

 

Wenn Probleme auftauchen, dann kann Schweigen in der Partnerschaft für Ruhe und Sicherheit sorgen, davon unabhängig werden Probleme im Außenbereich aber sehr wohl aktiv und mit aller Kraft und Vehemenz angegangen und gelöst (Externalisierung von Problemen).

Vorschläge für eine veränderte Kommunikation

Natürlich sind nicht alle Männer und nicht die Männer per se allesamt Schweiger. Tendenziell habe ich aber in meiner Arbeit festgestellt, dass Männer immer dann deutlich mehr als Frauen reden, wenn sie sich im öffentlichen Raum befinden, wohin gehend im Privaten eher das umgekehrte Verhältnis gilt.

 

Anbei einige Vorschläge, wie eine veränderte Kommunikation innerhalb der privaten, partnerschaftlichen Bereiche besser gelingen kann - ohne dass diese den Anspruch auf Vollzähligkeit und Erfolg beanspruchen wollen.

 

1) respektieren, dass Reden schwierig ist ==> Männer haben es oft nicht gelernt bekommen

 

2) den richtigen Zeitpunkt und den richtigen Ort finden ==> bisweilen eine Kunst, aber beide Partner sollten zugleich entspannt sein

 

3) auf den Punkt kommen ==> das männliche Zeit-Geduld-Empfinden reicht zu Beginn oft nur 5 bis 10 Minuten weit

 

4) Schuldzuweisungen frühzeitig erkennen und soweit möglich vermeiden ==> Partnerschaft ist kein Krieg bei dem es darum geht, wer gewinnt

 

5) akzeptieren, dass Kommunikation nur Schritt für Schritt auf gegenseitiger Vertrauensbasis gelingen kann ==> was selbstverständlich auch beinhaltet, dass beide Seiten wirklich miteinander kommunizieren wollen

 

6) sich vorstellen, wie es ist über etwas reden zu wollen/müssen, aber die Worte nicht dafür zu haben und keine Gefühle zeigen zu wollen/können/dürfen


"Man spricht durch Schweigen. Und man schweigt mit Worten."

[Erich Kästner]


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