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Hochsensibilität bei Kindern und Erwachsenen

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Der Begriff "Hochsensibilität" wurde um 1979 von der amerikanischen Psychologin ELAINE ARON eingeführt und bezeichnet im heutigen Verständnis ein psychologisches/neurophysiologisches Phänomen, bei dem Sinnesreize viel intensiver und eingehender wahrgenommen werden.

 

Nach heutiger Studienlage geht man davon aus, dass ca. 15 - 20 Prozent der Bevölkerung hochsensible Fähigkeiten aufweisen, ohne dass dies als pathologisch angesehen wird. 

allgemeine Merkmale

"Melanie ist wirklich ein Angsthase - und wie ist dieser neue Begriff dafür, den man jetzt überall liest? Ja, genau, sie ist hochsensibel! Aber muss sie denn unbedingt sooo eine Angst vor nur einer Biene haben? Das ist ja fast schon peinlich!"

 

Die Feststellung des Vaters hinsichtlich seiner Tochter, dass diese ein Angsthase und deshalb auch hochsensibel sei, war/ist schlicht falsch und wird der Besonderheit Hochsensibilität auch in keinem Sinne gerecht (ganz abgesehen davon, dass die Aussage vor seiner Tochter gegenüber einem für sie fremden Coach völlig kontra-produktiv für den Beginn einer Zusammenarbeit war).

 

Melanie hat einfach nur Angst vor Bienen und reagiert deshalb nervös, ängstlich und empfindlich auf deren Anwesenheit (wobei völlig egal ist, woher diese Angst kommt).

Als "wirklich" Hochsensible würde sie aber gleichzeitig noch viele andere Umgebungsreize wahr- und aufnehmen und wäre nicht nur auf die Angst vor der Biene fixiert.

 

Dies stellt auch schon das erste allgemeine Merkmal hinsichtlich Hochsensibilität dar. 

 

1) detailreiche Wahrnehmung der Umgebung ==> hochsensible Menschen müssen des-halb mehr Energie für die Aufnahme von Umwelteinflüssen verwenden ==> was wiederum zu einer erhöhten, inneren Verarbeitungszeit führt ==> was wiederum eine erhöhte "Einlagerungskapazität" im Gehirn beansprucht ==> was zu einer für Außenstehenden verlangsamten insgesamten Lebensführung führt

 

2) längerer emotionaler Nachklang von Erlebten ==> "Elefantengedächtnis" innerhalb der Partnerschaft

 

3) intensive und gründliche intellektuelle Analyse des Erlebten ==> hierbei werden insbesondere die Konsequenzen von Handlungen teilweise über drei bis vier Ebenen möglicher Konsequenzen hinaus vorausgedacht

 

4) ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und starke Werteorientierung gepaart mit einem großen Harmoniebedürfnis und Verantwortungsbewusstsein ==> was sich bisweilen als sich widersprechend im alltäglichen Leben erweist und zu inneren und äußeren Spannungen im alltäglichen Leben führt

 

5) höhere bis hohe Intensität bei der Empfindung von Stimmungen ==> empathische Fähigkeiten insbesondere im täglichen Umgang mit Menschengruppen

 

6) starke Reaktionen auf Stress/Leistungsdruck/Zeitknappheit ==> hochsensible Menschen reagieren dabei besonders stark, was sich teilweise durch erhöhten Konsum von Kaffee, Medikamenten und/oder Alkohol zeigt. Auch das Essverhalten - besonders viel oder wenig essen - kann sich dabei verändern.

Arten von Hochsensibilität

In der Forschung gibt es heute verschiedene Ein- und Zuordnungen bzgl. Hochsensibilität. Ich wähle an dieser Stelle jene Dreiteilung, welche sich für meinen Berufsalltag im Umgang und beim Coaching mit hochsensiblen Menschen am Besten bewährt hat.

 

sensorische Hochsensibilität

 

Sensorisch hochsensible Menschen weisen eine besonders feine Sinneswahrnehmung auf. Durch ihre gleichzeitig aktivierte gründlich intellektuelle Analyse des Aufgenommenen kommt es oft zu einer umgangssprachlichen Reizüberflutung, bzw. zu einer Reizüberlastung.

 

Außerdem grübeln sensorisch Hochsensible oft und lange darüber nach, ob das von ihnen Wahrgenommene wirklich so einzuordnen ist und ob sie nicht falsch liegen, oder einfach nur übertreiben. Des Weiteren versuchen sie, wenn bereits eine Überlastung vorliegt, weitere Reizstimulationen zu vermeiden.

 

 

emotionale Hochsensibilität

 

Emotional hochsensible Menschen besitzen eine besonders ausgeprägte Empathiefähigkeit, welche sich in einer äußerst mitfühlenden Art zeigt. Sie reagieren stark auf die Feinheiten im zwischenmenschlichen Bereich und sind gute und genaue Zuhörer (was sie aber nicht immer besonders beliebt macht, da sie sich das Gesagte besonders gut und lange merken können und sie die Inhalte detailliert und korrekt widergeben können - Partnerschaftsstress).

 

Emotional Hochsensible neigen dazu, sich selbst in ihrem Bestreben, anderen Menschen helfen zu wollen, zu überfordern (Stichwort: Helfersyndrom).

Darüber hinaus laufen sie oft Gefahr durch Überinterpretationen sich sehr stark emotional selbst zu belasten und bei andauerndem HelfenWollen die Fähigkeit zur Unterscheidung von bedeutenden und unbedeutenden Informationen zu verlieren.

 

 

kognitive Hochsensibilität

 

Kognitiv hochsensible Menschen besitzen ein starkes, intuitives Gefühl für Logik, welches, wenn sie es z.B. in ihrer Arbeit einsetzen können, sehr hilfreich bei der Organisation und Optimierung von Arbeitsprozessen ist.

Können sie diese Fähigkeit aber nicht positiv einsetzen, sondern müssen im Gegenteil eher das für sie unlogische und unorganisierte Vorgehen in ihrer Arbeitswelt erleiden, führt dies zu einem teilweise erheblichen Leidensdruck.

 

Kognitiv Hochsensible denken in komplexen Zusammenhängen, oft verstärkt durch multiperspektivische Aktion-Reaktions-Erkennensmuster. 

Richtig für sie in den (Berufs)Alltag eingepasst ist diese Fähigkeit sehr produktiv, falsch oder gar nicht gefördert verursacht sie oft sehr große, zumeist emotionale Probleme.

 

Meiner Erfahrung nach liegt sehr oft eine Kombination aus unterschiedlichen Arten von Hochsensibilität vor, mit Übergewichten in eine Richtung.

Hochsensibilität bei Kindern

Hochsensibilität ist nicht am Anfang nicht vorhanden und kommt dann irgendwann zufällig vorbei, sie ist von Anfang an im Menschen. 

Wann und in welcher Form sie zu Tage tritt ist so einzigartig, wie jeder Mensch. 

 

Die hier angeführten Merkmale von Hochsensibilität bei Kindern stellen nur einige Möglichkeiten dar. 

Kinder entwickeln sich zu Jugendlichen und zu jungen Erwachsenen. In all diesen Phasen können sie einzelne Aspekte ihrer Persönlichkeit unterschiedlich stark ausprägen, oder betonen. 

Deshalb sollte man beim Thema "Kinder und Hochsensibilität" einen sehr genauen Blick auf das Kind haben und versuchen herauszufinden, ob es sich gerade um eine "Phase" (Pubertät), oder um ein Merkmal von Hochsensibilität handelt.

 

1) eher introvertiert und weniger Freunde ==> in der Literatur findet man allerdings nichts Konkretes dazu, welche Zahl "weniger Freunde" bedeutet; auch geschlechterspezifische Unterschiede werden bei diesem Punkt eher nicht berücksichtigt

 

2) Lernverhalten in der Schule ist sehr stark von Eigeninteresse geprägt ==> daraus entsteht sehr schnell eine kategorische Ablehnung aller nicht als sinnvoll erachteten, "überflüssigen" Themen

 

3) Zurückgezogenheit und Allein-sein-können wird als nicht problematisch angesehen

 

4) beim Vorlesen von Geschichten wird häufig unterbrochen, da hochsensible Kinder gerne genau wissen wollen, warum wie etwas bei wem ist

 

5) sehr gründlich und genau ==> Ungeduld und heftige Reaktionen auf Misserfolge

mögliche Umgehensweisen mit Hochsensibilität

* Akzeptanz der persönlichen Einzigartigkeit

 

* Klärung der persönlichen StressSituationen

 

* bewusster und aktiver Umgang mit Stress

 

* Konzentration auf die positiven Seiten der Einzigartigkeit

 

* Selbstwertgefühlaufbau und Verbesserung der Abgrenzungsfähigkeit

 

* RuheRäume und RuheZeiten

 

* Geduld mit sich und der persönlichen Umwelt

 

* Auseinandersetzung mit dem persönlichen, inneren Kritiker


"Ich bin stärker als die Wörter, die andere sagen, und größer als die Schublade, in die sie mich stecken wollen."

[David Levithan]


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