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Erziehung mit und trotz Smartphone

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Es gibt eine kaum noch zu überblickende Anzahl von Artikeln zum Thema "Kinder/Jugendliche und Smartphone" und die daraus entstehenden Probleme und welche negativen Auswirkungen der scheinbar exzessive Gebrauch auf die Kinder und Jugendlichen und das Familienleben hat.

 

Auch die recherchierbaren Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: je nach Datenquelle haben heutzutage bereits etwa 40% aller Kinder bis zum 11. Lebensjahr ein Smartphone und allem Anschein nach steigt pro Lebensjahr der Anteil um mehr als 10% an, so dass man davon ausgehen kann, dass die Quote bei den 14-jährigen mit Handy bei rund 90% liegt.

 

Der Beweis für diese Zahlen lässt sich jeden Morgen an einem ganz normalen Schultag beim Vorbeifahren an SchulbusHaltestellen sehen: kaum noch Kinder/Jugendliche ohne Smartphone in der Hand.

Woher kommen die ganzen Handys?

Vor einiger Zeit beobachtete ich in einem Cafe an einem Sonntag Morgen folgende Szene: Klein-Alexander feierte seinen 5. Geburtstag und durfte daher mit seinen Eltern und seiner Oma einen Ausflug machen. 

Vor diesem stand das Familienfrühstück mit Geschenkübergabe an und Alexander bekam von seiner Großmutter ein Smartphone (kein Neues, sondern ihr abgelegtes iPhone 5, wie sie sehr hörbar betonte) geschenkt. Dank der intuitiven Steuerung war es für den Kleinen kein Problem das Handy einzuschalten und mit Hilfe des Cafe-WIFI und seiner Eltern die KIKA-App herunter zu laden. Nach nicht einmal 10 Minuten saß der Kleine ruhig in der Ecke und schaute sich einen Film an.

 

Soweit, so gut. Als die Erwachsenen nach einem gemütlichen und ruhigen Frühstück aufbrechen wollten und der Vater das Handy von Alexander haben wollte, um es sicher zu verstauen brach allerdings relativ gesehen die Hölle los, da Alexander keinerlei Einsicht zeigte und sich partout nicht mehr von diesem einen Geschenk trennen wollte.

 

So wie Alexander kommen die allermeisten Kinder und Jugendlichen bis zu einem bestimmten Alter zu ihren ersten/zweiten Smartphones - durch die Weitergabe der abgelegten Handys eines Familienmitgliedes.

Wann wird das Smartphone zum Problem und was sind Suchtmerkmale?

Man geht heute von etwa 270.000 bis 300.000 Kindern und Jugendlichen aus, die an einer wirklichen Smartphonesucht leiden.

 

Dazu werden unterschiedliche Symptome, welche auftreten können, herangezogen:

* Vernachlässigung von Körperpflege, Ernährung und Gesundheit

   (ausreichendes Trinken, Essen und Schlafen)

* soziale Probleme (Familie, Partnerschaft, Freizeit)

* trotz erhöhter HandyKommunikation findet immer weniger echtes soziales

   Leben statt

* ohne Handy: nervös, gestresst, aggressiv, hilflos, ängstlich, rein die

   Vorstellung, keines zu haben löst Panikattacken aus

* schlechter Netzempfang: innere Unruhe, Füße können nicht mehr still

   gehalten werden

 

Im April 2018 wurden auf einem Frühlingsfest eine Dreizehnjährige und eine Sechzehnjährige betrunken von der Polizei aufgegriffen und auf die Polizeiwache gebracht.

Die Personalienaufnahme gestaltete sich bis zu dem Augenblick ganz normal, an dem ein Polizist der Dreizehnjährigen das Handy abnahm. Diese flippte daraufhin völlig aus und schlussendlich waren vier Polizisten nötig, um der Jugendlichen Handschellen anzulegen.

 

Bevor man aber jetzt in Panik gerät, sollten folgende Punkte beachtet werden:

 

1. Kinder/Jugendliche schauen durchschnittlich 63 Mal am Tag auf ihr Handy - Erwachsene etwa 85 Mal 

 

2. die durchschnittliche Aktivitätsdauer beträgt 3 Minuten bei Kindern/Jugendlichen - bei Erwachsenen 4 Minuten

 

3. Kinder/Jugendliche sind täglich im Durchschnitt 3 - 3,5 Stunden pro Tag Handy-aktiv - Erwachsene 4 - 4,5 Stunden

 

Nun werden sehr wahrscheinlich die allermeisten Erwachsenen von sich behaupten, dass sie kein Problem mit Smartphones haben, geschweige denn, dass sie süchtig sind. Vielmehr vertreten die meisten Erwachsenen den Standpunkt, dass das Smartphone heutzutage für die Arbeit notwendig ist und sie als Volljährige den Umgang im Griff haben.

 

Die zuvor genannten Suchtmerkmale können allenfalls als Grundlage dienen, damit Eltern erkennen können, ob evtl. ein Problem vorliegt.

Realistisch gesehen wird das Smartphone aber erst dann als Problemverursacher ausgemacht, wenn Schul- und Notenschwierigkeiten auftreten, oder wenn Kinder nicht mehr mit ihren Eltern reden wollen.

Allerdings gilt auch: jedes Problem hat seine Geschichte!

Was kann getan werden, damit das Smartphone nicht zum Problem wird?

Alle Ratgeber hinsichtlich dieses Themas weisen zwei Gemeinsamkeiten auf:

 

1. wenn das Smartphone ein Problem darstellt, lässt sich dieses nicht einfach durch Verbote und Sanktionen lösen

 

2. Veränderungen der bestehenden Gewohnheiten hin zu weniger Problemen fangen immer bei den Erwachsenen als Vorbilder für die Kinder an und erfordern die Bereitschaft, nicht nur zu fordern, sondern auch zu geben

 

Wenn man sich als Erwachsener bewusst wird und ist, dass durch das persönliche Vorbild jede Veränderungsaufforderung an Kinder und Jugendliche um ein Zigfaches höher liegt, dann dürfte bei der ProblemVeränderung schon viel gewonnen sein.

 

Die folgenden Veränderungs- und ProblemEindämmungsMaßnahmen erzielen daher auch nur dann ihre Wirkung, wenn alle Erwachsenen in der Familie sich selbst daran halten.

6-Punkte-Sofort-Maßnahmen

1. kein Smartphone bei den Mahlzeiten

 

2. Schulaufgaben/Arbeiten im Haus werden offline erledigt

 

3. auch das Handy geht schlafen - und zwar 60 Minuten vor den Menschen

 

4. ein Tag in der Woche ist FamilienHandyFrei

 

5. den Tag offline starten und erst nach dem Frühstück das Smartphone einschalten

 

6. mehr telefonieren, weniger schreiben

 

Ich habe in meiner Arbeit die Erfahrung gemacht, dass insbesondere Punkt 4 den Erwachsenen am Meisten Probleme bereitet, wohin gehend die Kinder/Jugendlichen den HandyFreienTag als spannendes Experiment viel aufgeschlossener gegenüber stehen (was in der Aussage eines Jugendlichen gipfelte, dass seine Schwester und er locker einen Tag ohne Handy auskommen würden, seine Eltern aber unter gar keinen Umständen).


"Auf Kinder wirkt das Vorbild, nicht die Kritik."

[Heinrich Thiersch]


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